In den letzten Wochen habe ich die Seite rcunited.de auf Europa erweitert und dafür 116 RC-Strecken in 12 Ländern einzeln auf den Websites der Vereine geprüft: Österreich, Schweiz, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Dänemark, Frankreich, Tschechien, Polen, Italien, Spanien und Großbritannien. Aufgenommen habe ich nur Vereine, die 2025 oder 2026 nachweislich aktiv waren.
Dabei ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich das Gastfahren von Land zu Land geregelt ist. Viele von euch nehmen im Urlaub oder auf Dienstreise ein Auto mit, deshalb fasse ich hier zusammen, was ich gelernt habe. Den Beitrag kann man auch lesen, ohne je auf meine Seite zu gehen.
1. Was kostet ein Gasttag?
Nur ein Teil der Vereine veröffentlicht überhaupt einen Preis. Bei denen, die es tun, lagen die Tageskarten bzw. Startgelder für Gäste so (Stand Oktober 2026):
– Österreich: 15 bis 20 €
– Schweiz: 10 bis 33 Franken
– Niederlande: 10 bis 15 €
– Belgien: 5 bis 15 €
– Frankreich: 10 bis 15 €
– Italien: 15 bis 20 €
– Spanien: 15 € (alle drei Vereine mit Preisangabe)
– Dänemark: 50 bis 125 Kronen
– Tschechien: 80 bis 300 Kronen
– Großbritannien: 10 bis 15 Pfund
Für Luxemburg und Polen habe ich jeweils nur einen Verein mit Preis, das ist keine belastbare Spanne. Grob gesagt: Ein Tag auf einer Vereinsstrecke kostet in Westeuropa meist zwischen 10 und 20 Euro.
In Großbritannien lassen einige Clubs Neulinge beim ersten Besuch kostenlos fahren, etwa Grampian in Schottland, Southend in Essex oder Bedworth in den West Midlands (dort in der Rookie-Klasse). Danach zahlt man das normale Startgeld.
2. Lizenz und Versicherung – der eigentliche Knackpunkt
Der Preis ist selten das Problem. Was einen als Gast eher stoppt, ist die Frage, ob man eine Lizenz oder Versicherung des jeweiligen Landesverbands braucht. Das ist sehr unterschiedlich:
– Belgien: Wer auf einer Strecke eines FBA-Clubs trainiert oder Open Races fährt, braucht laut FBA eine Member-Lizenz mit Zusatzversicherung. Die kostet 10 € und läuft über einen anerkannten Club.
– Frankreich: Viele Clubs verlangen von Mitgliedern eine Lizenz der FFVRC. Die FFVRC hat 15 regionale Ligen und rund 300 Clubs; in der Lizenz steckt eine Unfallversicherung.
– Italien: Manche Strecken lassen Gäste nur mit einer Mitgliedskarte samt Versicherung fahren, zum Beispiel von AMSCI, UISP oder ASI. Viele Vereine sind als Amateursportverein (A.S.D.) organisiert.
– Spanien: Für Vereinsrennen verlangen manche Clubs eine Lizenz der AECAR. Die AECAR-Lizenz 2026 galt laut Verband schon für den Rest von 2025 und gilt die ganze Saison 2026.
– Großbritannien: Hier dreht sich fast alles um die BRCA-Mitgliedschaft, weil die Haftpflichtversicherung darin steckt. 2026 kostet sie 30 Pfund für Erwachsene und 15 Pfund für Junioren im Jahr. Bei vielen Clubs darfst du als Neuling zwei oder drei Treffen ohne BRCA fahren, bei anderen gilt die Pflicht ab dem ersten Rennen.
– Niederlande: Der Verband NOMAC versichert die Mitglieder der angeschlossenen Clubs und vergibt die Lizenzen für die niederländischen Meisterschaften. Viele Clubs lassen Gäste nach Anmeldung gegen eine Tageskarte fahren.
– Dänemark: Rennen laufen über den Automobilsportverband DASU in der Sparte MRC. Dafür brauchst du die Mitgliedschaft in einem DASU-Klub und eine Lizenz; die ist für MRC-Fahrer seit 2019 gebührenfrei.
– Österreich und Schweiz: Dachverbände sind der ÖFMAV bzw. die SRCCA. Auf mehreren Strecken laufen 2026 Meisterschaftsläufe, in Österreich am MORAC-Ring in Kirchberg an der Raab auch für 1:5.
– Tschechien: Viele Klubs fahren ihre Rennen nach den Regeln des RC Autoklubs ČR, etwa die Läufe der tschechischen Meisterschaft für Elektro-Buggys oder Large Scale. Auf einigen Strecken kannst du als Gast gegen eine Tagesgebühr trainieren.
– Polen: Den Wettbewerbssport organisiert die Kommission für RC-Autos im Automobilklub Polski, seit 2022 Mitglied der EFRA. Viele polnische Vereinsseiten waren für mich leider nicht abrufbar, deshalb ist die Datenlage dort dünn.
Mein Rat: Ob ein Verein deine Lizenz oder Versicherung aus Deutschland akzeptiert, steht fast nie auf der Website. Frag vor der Anreise kurz per Mail oder Kontaktformular nach. Das kostet zwei Minuten und erspart dir, mit dem Auto im Kofferraum vor einem verschlossenen Tor zu stehen.
3. Praktisches vor Ort
Ein paar Dinge tauchten beim Prüfen immer wieder auf:
– Transponder: Viele Strecken zählen mit MyLaps oder MRT. Manche verleihen Transponder (Grampian in Schottland zum Beispiel für 3 Pfund), aber nicht jeder Typ funktioniert überall. Dort steht ausdrücklich, dass RC4 nicht läuft. Wenn du einen eigenen Transponder hast, prüf vorher, welches System der Club nutzt.
– Online-Anmeldung mit Frist: In England läuft die Nennung oft online. Bei Sidcup in London ist Schluss 24 Stunden vor Beginn, bei Surrey and Hants in Farnborough 4 Stunden vorher. Bei Sidcup gibt es nach Rennbeginn auch keine Nachmeldung mehr.
– Marshal-Dienst: In britischen Clubs ist es üblich, dass du nach deinem eigenen Lauf als Streckenposten einspringst und nach dem Finale beim Abbau hilfst. Das steht teilweise direkt in den Hausregeln.
– Ausstattung: Für Hallenrennen in England solltest du eigenes Verlängerungskabel, Tisch und Stuhl mitbringen.
– Nur Elektro: Mehrere Anlagen erlauben keine Verbrenner, etwa Thearne bei Beverley, Bedworth, Southend und Stafford. Wer mit Nitro anreist, sollte das vorher prüfen.
– Schlüsselträger-Prinzip: Bei manchen Anlagen fährst du außerhalb von Veranstaltungen nur, wenn ein Vereinsmitglied mit Schlüssel da ist. Bei Hardwick im Nordosten Englands fragst du deshalb vorher in der Facebook-Gruppe oder per WhatsApp nach, ob geöffnet ist.
– Facebook statt Website: Gerade in Großbritannien und Spanien sind viele Vereine vor allem auf Facebook aktiv, manche kündigen kurzfristige Absagen nur dort an. Schau am Morgen vor der Anfahrt noch einmal rein.
4. Welche Klassen lohnen sich im Gepäck?
Wenn du nur ein Auto mitnehmen willst: In britischen Clubs gibt es häufig eine Einsteiger- oder Tamiya-Klasse (M-Chassis, TT-01/TT-02, Clubman, Rookie). Ein einfacher Tourenwagen ist dort ein guter Begleiter. Offroad ist 1:10 Elektro auf den britischen Strecken die häufigste Klasse, und auf vielen davon liegt Kunstrasen statt Erde. Das solltest du bei der Reifenwahl bedenken.
Im Winter fährt man in England viel in Sporthallen auf Teppich, der für jeden Renntag neu ausgelegt wird. In der Schweiz steht laut Betreiber die größte permanente RC-Indoorpiste des Landes in Islikon im Thurgau.
5. Meine Checkliste vor der Abreise
– Website des Vereins lesen: Gastregeln, Öffnungszeiten, Termine
– Fragen, ob deine Lizenz oder Versicherung reicht, oder eine Tageslizenz einplanen
– Transpondersystem klären
– Facebook-Seite des Clubs für kurzfristige Absagen im Blick behalten
– Bargeld oder PayPal dabeihaben, Kartenzahlung gibt es nicht überall
– Kabeltrommel, Tisch und Stuhl einpacken, wenn es in eine Halle geht
– Bei Verbrenner: vorher klären, ob sie erlaubt sind
Zum Schluss
Die Daten zu allen 116 Strecken (mit Belag, Klassen, Gastregeln und Link zur Vereinsseite) stehen nach Ländern sortiert unter rcunited.de/europa/. Falls bei euch Interesse besteht, beantworte ich Fragen zu einzelnen Ländern aber auch gern direkt hier im Thread.
Mich würde interessieren: Wo seid ihr im Ausland schon als Gast gefahren, und wie war es? Und kennt ihr aktive Strecken, die mir fehlen? Lücken habe ich zum Beispiel noch in Wales, Nordirland, Nordwestengland, im Baskenland und in weiten Teilen Polens. Hinweise prüfe ich auf der Vereinsseite und ergänze die Liste.
Viele Grüße
Patrick